Der Preis ist hoch

Keiner Partei in der Demokratie ist es zu verdenken, dass sie Wahlen gewinnen will. Der CDU in Sachsen ist das nur scheinbar gelungen. Trotz ihres schlechtesten Ergebnisses ist sie wieder bei den 40 Prozent gelandet, die im Vielparteiensystem als magische Marke gelten. Sie liegt mit doppeltem Stimmanteil vor der zweitplatzierten Linken. Alles wie geplant. Der Wahlkampf der CDU war ganz auf Regierungschef Stanislaw Tillich zugeschnitten – und auf den Lokalpatriotismus, in dem sich die Sachsen höchstens noch von den Bayern übertreffen lassen.

Das neue deutsche Wir

Özcan Yildirims Botschaft hat nur vier Wörter: „Gegen Hass und Gewalt“, hat der Friseur auf eine weiße Tafel im Schaufenster seines Ladens auf der Keupstraße geschrieben. Dort explodierte 2004 die Nagelbombe der NSU-Terroristen. Die Yildirims hätten mit den vielen anderen Opfern allen Grund zum Zorn. Doch sie setzen auf Versöhnung – auch mit einer Gesellschaft, die ihnen abweisend begegnete, deren Behörden sie unter Täter-Verdacht stellten und ihnen das Gefühl gaben, als Teil einer „Parallelgesellschaft“ nicht dazu zu gehören.